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Gerlinde Kaltenbrunner in Bad Reichenhall

Als Teenager konnte sie sich nichts anderes vorstellen, als Pfarrköchin zu werden. Heute zählt sie zu den besten Alpinistinnen der Welt. 13 der 14 Achttausender hat Gerlinde Kaltenbrunner schon erfolgreich und ohne Sauerstoff bestiegen, heuer will die Österreicherin endlich auch den K2 packen.


Der Umgang mit dem Tod ist ein anderer geworden.


gk2Bad Reichenhall (kb) – Als Teenager konnte sie sich nichts anderes vorstellen, als Pfarrköchin zu werden. Heute zählt sie zu den besten Alpinistinnen der Welt. 13 der 14 Achttausender hat Gerlinde Kaltenbrunner schon erfolgreich und ohne Sauerstoff bestiegen, heuer will die Österreicherin endlich auch den K2 packen. Beim Basecamp Festival in Bad Reichenhall nahm die 41-Jährige Profibergsteigerin das Publikum mit in die eisigen Höhen der höchsten Gipfel, wo der Grad zwischen Glück und Tragödie manchmal nur ein Atemzug ist.

Seit 17 Jahren zieht es Gerlinde Kaltenbrunner auf die mächtigsten Berge. Ganz oben zu stehen, treibt sie an, dort, wo man dem Himmel nah und der Welt fern ist. Stets ist sie im kleinen Team, mit Minizelt und wenig Gepäck unterwegs, verzichtet auf fest installierte Hochlager, auf Hochträger und künstlichen Sauerstoff. Bergsteigen im Alpinstil, frei nach dem Motto: Rucksack auf und los, das ist Kaltenbrunners Credo.

 



Alles hat ganz harmlos angefangen, als sie in der Jugend mit dem Pfarrer ihrer Heimatgemeinde Spital am Pyhrn erste namhafte Berge in der Region bestieg. Jeden Sonntag nach der Messe sind sie auf Tour gegangen, erzählte Kaltenbrunner den Festivalbesuchern. Dass sie das Bergsteigen irgendwann zum Beruf machen würde, sei damals gar kein Thema gewesen. „Pfarrköchin war mein Traumberuf, etwas anderes habe ich mir gar nicht vorstellen können“. Gelernt hat die Oberösterreicherin dann doch Krankenschwester, wobei sie während der Ausbildung keine Gelegenheit ausließ, auf die Berge zu gehen.
Ihr größter Traum – einen Achttausender zu besteigen – ging im Alter von 23 Jahren am mit Broad Peak Vorgipfel in Pakistan auf 8.027 Metern Höhe in Erfüllung. Seither lässt sie der Gedanke an die hohen und höchsten der Berge nicht mehr los. Das Gehalt, das sie als Krankenschwester verdiente, steckte sie in verschiedene Expeditionen ins Himalajagebiet.und das Karakorum. 2003 stand Gerlinde Kaltenbacher auf ihrem fünften Achttausender und verschrieb sich von da an voll und ganz dem Profibergsteigen.

 

 

Keine Angst vor Rückschlägen


Während ihres Vortrags „Leidenschaft leben über 8.000 Meter“ wurde schnell klar: auf der Bühne steht eine sanft wirkende Frau die weiß was sie will - und auch was sie nicht will. Rückschläge und Risiken gehören in ihrem Beruf dazu, aber manchmal muss man auch umdrehen können. „Und ich bin schon oft umgedreht, auch 100 Meter vorm Ziel“. Am
Dhaulagiri wurde sie 2007 von einer Lawine mitgerissen und überlebte nur mit sehr viel Glück und im letzten Jahr musste sie am K2 miterleben, wie ihr schwedische Bergkamerad Frederic Ericcson an ihr vorbei in den Tod stürzte.
Solche Ereignisse würden schon Spuren hinterlassen, wie Gerlinde Kaltenbrunner später im Gespräch gegenüber der Heimatzeitung gestand. „Ich spüre generell eine große Anspannung wenn ich weiß, in den nächsten Tagen geht es in Richtung Gipfel. Wenn ich dann aber aufsteige, kann ich alles andere völlig ausschalten.“ Dann zähle nur mehr der Moment, wobei sie immer wieder innehalte um zu überprüfen, ob sich das Risiko noch im Rahmen halte. „Aber innerlich hat sich für mich schon was verändert. Der Umgang mit dem Tod ist ein anderer geworden, auch dadurch, weil wir in den letzten Jahren viele Freunde verloren haben, nicht nur am Berg.“
Umso schöner und ergreifender sind dann die Momente, in denen es vollbracht ist und sie am Gipfel steht. Das ist für Gerlinde Kaltenbrunner immer wieder ein Geschenk, das sie am liebsten mit ihrem deutschen Ehemann Ralf Dujmovits teilt. Mit ihm lebt sie im Schwarzwald und ist - wann immer es die Zeit zulässt - beim Sportklettern, in den Alpen oder beim Expeditionsbergsteigen unterwegs.
Der letzte der 14 Achttausender fehlt Gerlinde Kaltenbrunner noch in ihrer Sammlung, der K2. Im Sommer will sie es wieder probieren und zurückkehren zu dem Berg, an dem sie schon sechs Mal gescheitert ist. Diesmal hat sie eine ganz andere Route über die Nordseite im Visier. „Ich freue mich, aber sage ganz ehrlich: erzwingen will ich nichts, wenn es zu gefährlich wird, drehe ich auch ein siebtes Mal um“.
Und versucht es einfach wieder, denn ans Aufhören denkt Gerlinde Kaltenbrunner noch lange nicht. Bis sie tot umfällt, will sie auf die Berge gehen. „Das ist einfach meine ganze große Leidenschaft“.

Foto:
Gerlinde Kaltenbrunner (Mitte) sorgte für volles Haus beim Basecamp Festival in der Reichenhaller Konzertrotunde. Sehr zur Freude von Ehemann Ralf Dujmovits (l.) und Ines Papert (r.), viermalige Eiskletterweltmeisterin und Veranstalterin des Festivals.

 

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